Gondoliere unterlagen bereits zu Zeiten der Serenissima strengen Vorschriften
Wer eine Gondel durch die Kanäle Venedigs gleiten sieht, bewundert vor allem die Eleganz der Bewegung und die Schönheit des Bootes. Schon zur Zeit der Republik Venedig bedeutete der Beruf des Gondoliere jedoch, strenge Vorschriften einzuhalten, regelmäßige Kontrollen zu akzeptieren und zahlreiche Regeln zu befolgen.
Die Serenissima betrachtete den Wasserverkehr als unverzichtbaren Bestandteil des städtischen Lebens. Bevor die zahlreichen Brücken entstanden, die heute den Canal Grande überqueren und die verschiedenen Stadtteile miteinander verbinden, war die Gondel das schnellste Verkehrsmittel. Deshalb überwachten die Behörden die Arbeit der Gondoliere sorgfältig und legten fest, wer den Beruf ausüben durfte und unter welchen Bedingungen.
Der Besitz einer Gondel allein genügte nicht. Wer Gondoliere werden wollte, benötigte eine von der venezianischen Magistratur ausgestellte Lizenz und musste Vorschriften über Verhalten, Fahrpreise und Servicequalität einhalten. Das Recht, den Beruf auszuüben, war begrenzt und wurde häufig innerhalb der Familien weitergegeben. Dennoch unterlagen die Gondoliere regelmäßigen Kontrollen. Auch die offiziellen Gondelstände, die heutigen Stazi und Traghetti, waren genau geregelt, um einen geordneten Service in der ganzen Stadt sicherzustellen.
Die Vorschriften betrafen auch das Verhalten gegenüber den Fahrgästen. Gondoliere mussten sich korrekt verhalten, die festgelegten Preise einhalten und einen zuverlässigen Service bieten. Verstöße konnten Geldstrafen, Suspendierungen oder im schwerwiegendsten Fall den Entzug der Lizenz nach sich ziehen. In einer auf dem Wasser erbauten Stadt galt das Vertrauen der Fahrgäste als besonders schützenswert.
Bis heute lebt diese Tradition von Ausbildung und Verantwortung fort. Um eine Gondolierlizenz zu erhalten, müssen angehende Gondoliere eine Ausbildung absolvieren, die Rudertechnik, venezianische Geschichte, Vorschriften und Fremdsprachen umfasst. So besteht eine direkte Verbindung zwischen den Gondolieri von heute und ihren Vorgängern aus der Zeit der Serenissima.
Wer mehr über diese Geschichte sowie über Werkzeuge, Traditionen und die Entwicklung der venezianischen Gondel erfahren möchte, sollte die Gondola Gallery am Campo San Gallo besuchen.


