Die Gondel in großen internationalen Filmen
Es gibt etwas, das nie seine Wirkung verliert: eine Gondel auf der großen Leinwand zu sehen.
In Venedig passiert es oft, dass man zufällig auf ein Filmset stößt. Vielleicht ist eine Brücke für
einige Stunden gesperrt, eine Gondel wird von riesigen Scheinwerfern beleuchtet oder ein Filmteam arbeitet im Morgengrauen an einem noch leeren Kanal. Und Monate später sieht man alles im Kino wieder und denkt: „Dort gehe ich doch ständig vorbei.“
Die Gondel funktioniert im Kino so gut, weil sie etwas sehr Seltenes schafft: Eine einzige
Einstellung genügt und man weiß sofort, wo man ist. Kein anderes Boot der Welt hat ein so
unverwechselbares Bild.
Einige Filme kommen mir sofort in den Sinn. In The Tourist mit Johnny Depp und Angelina
Jolie wirkt Venedig fast übertrieben elegant: Hotels am Canal Grande, nächtliche Spiegelungen und Gondeln vor venezianischen Palästen. Alles scheint dafür gemacht zu sein, das filmischste Bild von Venedig überhaupt zu erschaffen. Und es funktioniert.
In Casino Royale verändert sich die Stimmung komplett. Daniel Craig bewegt sich durch Venedig
zwischen Verfolgungsjagden und spektakulären Szenen auf dem Canal Grande. Die Gondel
erscheint hier gleichzeitig ironisch und spektakulär. Die Stadt wirkt plötzlich schnell, angespannt
und voller Bewegung.
Dann gibt es noch Pane e Tulipani, der meiner Meinung nach einer der schönsten Filme über
Venedig ist, weil er die Stadt nicht in eine unerreichbare Traumkulisse verwandeln will. Venedig
wirkt echter, ruhiger und alltäglicher. Auch die Gondel scheint ganz selbstverständlich zum
normalen Leben der Stadt zu gehören und nicht nur zur Welt der Besucher.
Man versteht sofort, warum das Kino immer wieder nach Venedig zurückkehrt: Die Stadt verändert sich völlig, je nachdem wie sie erzählt wird. Sie kann geheimnisvoll, romantisch, elegant oder sogar surreal wirken. Doch die Gondel bleibt immer im Mittelpunkt der Szene.
Und interessant ist, dass manchmal auch das Gegenteil passiert: Man macht eine Gondelfahrt, fährt in einen schmalen Kanal hinein, unter einer Brücke hindurch oder gelangt plötzlich auf den Canal Grande… und für einen Moment fühlt es sich an, als wäre man mitten in einem Film.
Wenn du mehr über die Geschichte und die Details der venezianischen Gondel erfahren möchtest, kannst du die Gondola Gallery in Campo San Gallo besuchen.
Und danach das tun, was sich fast jeder bei seiner Ankunft in Venedig vorstellt: selbst an Bord
gehen. Denn zwischen den Spiegelungen auf dem Wasser, den langsam vorbeiziehenden Palästen und der Stille der Kanäle entsteht das Gefühl, selbst die Hauptfigur des schönsten Films zu sein, der je in Venedig spielt: deines eigenen Films.



